Der Neurotiker

Ein neues Tricky-Album. Na und? Was sollte das schon werden, nach den wüsten, paranoiden Krachorgien, die der Kronprinz des TripHop nach seinem epochalen "Maxinquaye"-Debütalbum ablieferte? "Alle meine Alben seit 'Maxinquaye' sagten nur eins: Fuck you!", gab er selbst zu. In Interviews bestätigte er alle Vorbehalte: Tricky als verschlossener Neurotiker, der nichts mehr hasst als Fragen zu seiner Musik. Auf dem neuen Album "Blowback" wirkt der Mann aus Bristol wie ausgetauscht. Als hätte er sich gesagt: Gut, jetzt nehme ich eine Platte auf, die jeder hören kann. Dabei geholfen haben ihm Gaststars wie Cindy Lauper, die Red Hot Chilli Peppers und Alanis Morissette. Und siehe da: Anstelle düsterer Soundscapes und tiefergelegter Beats ertönen luftige Popmelodien, Ragga-Raps und immer wieder unerwartet harte Rockriffs. Ein überzeugendes Comeback, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war. Über Musik aber redet Tricky immer noch nicht gerne. "Ich analysiere meine Musik nicht", muffelt er nach wie vor. Aber Herr Tricky, man braucht kein Psychologe sein, um zu attestieren: Sie haben wieder Spaß an ihrer Musik. 

Bernd Schwope

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